03.06.2020

Rückkehr zu einer Art Normalität

Ab dem 6. Juni werden die Massnahmen zur Bekämpfung des neuen Coronavirus weitgehend gelockert. Dies hat der Bundesrat in seiner Sitzung vom 27. Mai beschlossen. Was bedeutet dies für das Bildungszentrum Bau und das Seminarzentrum? Die beiden Geschäftsführer Thomas Stocker und Thomas Hegnauer sagen, was Sache ist.

 

 

 

Thomas Hegnauer, ab dem 6. Juni sind private und öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen erlaubt – immer unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Zudem müssen entsprechende Schutzkonzepte vorhanden sein. Was heisst das nun in Bezug auf Veranstaltungen, Seminare und Events?

Wir nehmen im Seminarzentrum die Aufhebung des Versammlungsverbots bzw. die Anhebung der maximal erlaubten Personenzahl natürlich erfreut zur Kenntnis. Dies ermöglicht nun auch definitiv die Durchführung von unseren beliebten Sommercamps für Kids und die Öffnung unseres Schwimmbades. Wir sind für diese Lockerungen bereit und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Wir haben wirksame Schutzkonzepte entwickelt und implementiert. Damit ist der gesundheitliche Schutz von Gästen, Kunden Schülern und Mitarbeitenden garantiert. Aber eigentlich kann ich das Wort “Schutzkonzept” nicht mehr hören. Ich appelliere hier auch an die Selbstverantwortung der Bevölkerung.

 

 

Thomas Stocker, auch Präsenzunterricht in Mittel-, Berufs- und Hochschulen ist ab dem 6. Juni wieder erlaubt. Kann das Bildungszentrum Bau den Betrieb also wie geplant wieder hochfahren?

Wir sammeln ja bereits seit dem 11. Mai Erfahrungen mit Kleingruppenausbildungen im Bereich Kran- und Baumaschinen. Und am 2. Juni starten wir mit drei Klassen Poliere im Fernunterricht. Ab dem 8. Juni wechseln wir in den Präsenzmodus, und wöchentlich kommen mehrere Klassen dazu. Den Höhepunkt erreichen wir ab dem 29. Juni, wenn gleichzeitig bis zu 14 Klassen Vorarbeiter und Poliere unterrichtet werden. So werden alle geplanten Vorarbeiter- und Polierausbildungen nachgeholt. Kran- und Baumaschinenführer wechseln ab dem 8. Juni wieder in den Normalbetrieb. Die ausgeschriebenen Kurse sind sehr gut gebucht. Es besteht aber wenig Hoffnung, die ausgefallenen Frequenzen im Bereich Kran- und Baumaschinen nachzuholen.

 

Meinst du die Schüler haben den Präsenzunterricht vermisst oder trauern sie eher dem Fernunterricht mittels Webinaren nach?

Die Wahrnehmung ist sehr unterschiedlich. Einig sind sich die Studenten darin, dass der Umstieg mit dem Lockdown Mitte März problemlos verlief. Sämtliche Studenten waren sehr dankbar, dass die begonnene Ausbildung abgeschlossen werden konnte. Einige genossen den Unterricht zu Hause mit den entsprechenden Vorteilen. Andere fanden den Fernunterricht wenig zielführend. Klar ist auch: Die sozialen Kontakte sowie der Erfahrungsaustausch von Studenten und Ausbildungscoachs wurde sehr vermisst. Wir stellen in einzelnen Bereichen auch leicht schwächere Prüfungsresultate fest.

 

 

 

Thomas Stocker: “Einige Studenten genossen den Unterricht zu Hause mit den entsprechenden Vorteilen.”

 

 

Thomas Hegnauer, in Restaurationsbetrieben wird ab dem 6. Juni die Beschränkung der Gruppengrösse auf vier Personen aufgehoben, und auch Schwimmbäder können wieder öffnen. Was heisst das für unsere Restaurants und für die Sportarena?

Für das BAULÜÜT heisst dies: Bei Gästegruppen bis vier Personen geben die Gäste die Kontaktdaten freiwillig an. Bei Gästegruppen von mehr als vier Personen ist es Pflicht, dass eine Person die Kontaktdaten hinterlässt. Weiterhin Vorschrift bleiben die für die Branche extrem einschränkenden Tisch-Mindestabstände sowie die Sperrstunde. Alle Lokale müssen bereits um Mitternacht schliessen. Die Sportarena können wir ab dem 6. Juni wieder “normal” öffnen. Sie ist somit auch als Freizeitbetrieb für alle Gäste zugänglich. Nach wie vor gilt aber immer noch das Hygiene-Schutzkonzept des Bäderverbandes.

 

 

Es geht nun alles relativ schnell. Sind wir doch noch mit einem blauen Auge davongekommen?

Thomas Stocker: Das blaue Auge ist richtig, aber ganz ohne Schmerzen geht die Krise nicht an uns vorüber. Im Bildungszentrum werden uns am Ende des Geschäftsjahres etwa 10 Prozent der Studenten fehlen. Das macht fast 15 Prozent weniger Umsatz aus. Dadurch erwarten wir ein um 25 Prozent schlechteres Jahresergebnis. Aber es gibt Bereiche, die trifft es viel härter als das Bildungszentrum.

 

Thomas Hegnauer: Du sagst es … Der wirtschaftliche Schaden für das Seminarzentrum ist immens. Die Monate April und Mai gehören “in Normalzeiten” zu unseren stärksten Monaten, und diese Umsatzeinbussen können wir bis Ende Geschäftsjahr nicht mehr wettmachen. Wir haben unzählige Grossveranstaltungen, Events, Seminare, Bankette usw., die abgesagt werden mussten. Das Seminarzentrum hat die Krise mit voller Wucht getroffen. Wir verlieren über 5 Millionen Ertrag.

 

 

Was bedeutet die neue Situation für die Mitarbeitenden des Bildungszentrums Bau und des Seminarzentrums in Sachen Kurzarbeit?

Thomas Hegnauer: Ab Montag, 8. Juni, sind wir fast wieder im “Normalzustand” und benötigen wieder unser Team. Aber leider wird es auch im Juni noch für einige Mitarbeitende Kurzarbeit geben, da die Auslastung des Seminarzentrums und der Sportarena noch nicht erreicht ist.

 

Thomas Stocker: Das Bildungszentrum wird ab Juni nur noch in Einzelfällen in Kurzarbeit sein. Wir erwarten einen sehr hohen Arbeitsanfall in der Administration und werden wohl sämtliche zur Verfügung stehenden Kapazitäten aktivieren und uns gegenseitig unter die Arme greifen.

 

 

Der Bundesrat empfiehlt weiterhin, wo möglich im Homeoffice zu arbeiten. Was bedeutet das in Bezug auf eure Mitarbeitenden?

Thomas Stocker: Das wird individuell entschieden. Aber wo dies möglich ist, arbeiten unsere Mitarbeitenden bis zu den Sommerferien im Homeoffice. Dies ist aber gerade in den Abteilungen Baustellenkader und Kran und Maschinen weniger der Fall.

 

Thomas Hegnauer: Wir dürfen nicht vergessen: Von meinen rund 200 Mitarbeitenden haben über 80 Prozent keinen Büroarbeitsplatz. Wir arbeiten im Dienstleistungssektor und sind im “People Business”. Unsere Leistung wird primär vor Ort erwirtschaftet. Es werden somit ab Juni nur noch vereinzelt Mitarbeitende im Homeoffice tätig sein.

 

 

Hat die Corona-Krise auch Auswirkungen auf die Arbeitsmodelle der Mitarbeitenden?

Thomas Stocker: Das möchten wir in der nächsten Zeit gerne klären. Wir werden demnächst mit einem Stimmungsbarometer erheben, wie die Mitarbeitenden die ausserordentliche Krisenzeit erlebt haben. In einem zweiten Schritt werden wir die Erfahrungen mit Homeoffice auswerten, um diese allenfalls in künftige Arbeitsmodelle einfliessen zu lassen.

 

 

 

Thomas Hegnauer: “Ab Montag, 8. Juni, sind wir fast wieder im ‘Normalzustand’ und benötigen wieder unser Team.”

 

 

Könnt ihr der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen?

Thomas Hegnauer: Aus wirtschaftlicher Sicht natürlich nicht. Aus betrieblicher Sicht gibt es einiges. Wir sind ein Unternehmen, das nicht unvorbereitet in die Krise hineinmanövriert wurde. Toll zu sehen ist, wie sich der CAMPUS-Spirit gerade in der jetzigen Krise zeigt. Die Motivation ist hoch. Wir wollen, können und dürfen arbeiten.

 

Thomas Stocker: Anders als in anderen Bildungsinstitutionen hat die Corona-Krise bei uns keinen eigentlichen Digitalisierungsschub ausgelöst. Die Krise hat uns aber aufgezeigt, dass wir über eine hervorragende IT-Infrastruktur verfügen und in den Ausbildungsentwicklungen in den letzten Jahren aufs richtige Pferd gesetzt haben. Die entwickelten Technologien haben sich bewährt. Es gilt nun die Vorteile daraus noch weiter auszubauen und zu nutzen. Und diese auch gewinnbringend mit den Präsenzveranstaltungen am Campus Sursee zu verknüpfen. Zudem wurde auch aufgezeigt, dass das Bildungszentrum mit seinem hohen Anteil an variablen Kosten gut auf Krisensituationen reagieren kann.

 

 

Interview: Fabio Colle, Leiter Unternehmenskommunikation Stiftung CAMPUS SURSEE, 29.05.2020