Raphael Streit kennt die Baustelle aus verschiedenen Perspektiven. Ursprünglich arbeitete der gelernte Landschaftsgärtner im Gartenbau, später sammelte er Erfahrungen im Wasserbau, Tiefbau und Erdbau. Vieles, was im Unterricht der Ausbildung zum Gruppenführer vermittelt wird, ist für ihn deshalb nicht völlig neu. Und trotzdem war genau das einer der Gründe, weshalb er sich für die Weiterbildung entschieden hat.
«Ich habe mich für diese zwei oder drei Wochen entschieden, um zu schauen, wo ich stehe», sagt Raphael. Die Ausbildung war für ihn damit auch eine persönliche Standortbestimmung: Was sitzt bereits? Wo gibt es noch Lücken? Und wie gut lässt sich das vorhandene Wissen abrufen, wenn es plötzlich nicht mehr nur auf der Baustelle, sondern auch auf dem Papier gefragt ist?
Während der dreiwöchigen Ausbildung stehen unter anderem Baustoffkunde, Rapportwesen, Mathematik, Flächen- und Volumenberechnungen, Planlesen, Zeichnen sowie Mitarbeitendenführung auf dem Programm. Im Zentrum stehen dabei Kompetenzen, die Gruppenführer im Baustellenalltag brauchen: Arbeiten fachlich anleiten, Pläne und Baumaterialien richtig einsetzen, Arbeiten dokumentieren und überwachen sowie Mitarbeitende führen und kommunizieren.
Für Raphael ist gerade die Verbindung von Theorie und praktischer Erfahrung entscheidend. «Es sind alles Themen, die du vielfach durch Learning by doing hast. Wenn du es gemacht hast, bist du näher dran, als wenn du es nur auf dem Papier gelernt hast.»
Seine bisherige Berufserfahrung hilft ihm dabei. Gleichzeitig merkt er im Unterricht, dass praktische Erfahrung nicht automatisch bedeutet, jede Aufgabe theoretisch erklären oder berechnen zu können. Genau diese Lücke kann die Ausbildung schliessen. Auch der Austausch mit den anderen Teilnehmenden ist für Raphael wertvoll. Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen und bringen entsprechend vielfältige Erfahrungen mit.
Gruppenführer zu sein bedeutet für Raphael weit mehr, als Arbeiten zu verteilen und dafür zu sorgen, dass der Tagesplan eingehalten wird. Führung beginnt für ihn bei den Menschen: für Mitarbeitende da sein, Probleme gemeinsam lösen, verständlich kommunizieren und andere motivieren.
Damit wird die Ausbildung auch zu einer Vorbereitung auf eine neue Rolle. Wer bisher vor allem für die eigene Arbeit verantwortlich war, übernimmt zunehmend Verantwortung für andere. Fachwissen bleibt wichtig – reicht allein aber nicht aus.
Die blockweise Organisation der Ausbildung kommt Raphael dabei entgegen. Beruf, Weiterbildung und Privatleben lassen sich besser miteinander verbinden, wenn die Unterrichtsblöcke konzentriert stattfinden. «Ich möchte mich weiterentwickeln, ohne mein Privatleben noch stärker einzuschränken.» Die intensive Ausbildungszeit verlangt zwar Einsatz, lässt sich für ihn aber gut mit dem Alltag vereinbaren.

Am letzten Ausbildungstag steht eine Schlussprüfung auf dem Programm. Neu führt die erfolgreich absolvierte Weiterbildung zum Branchenzertifikat des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV). Voraussetzung dafür ist, dass sämtliche Prüfungsteile mit mindestens der Note 4.0 bestanden werden. Das Zertifikat bestätigt die erworbenen Kompetenzen und steht für eine praxisnahe Weiterbildung nach einheitlichen Branchenstandards.
Für Raphael Streit ist das ein zusätzlicher Anreiz. «Das Zertifikat kann ja nichts anderes als ein Vorteil sein für jeden, der es machen kann.» Gleichzeitig blickt er bereits auf den nächsten möglichen Schritt: Nach bestandener Prüfung möchte er die Bauvorarbeiterschule besuchen. Allerdings nicht einfach möglichst schnell, sondern mit dem nötigen Respekt vor der neuen Verantwortung.
Denn genau darum geht es für ihn bei der Weiterbildung: nicht nur einen Abschluss in der Tasche zu haben, sondern herauszufinden, was er kann, wo er noch dazulernen muss – um bereit zu sein für die nächste Aufgabe auf der Baustelle.
Steckbrief
- Gelernter Landschaftsgärtner EFZ
- Arbeitet bei der Firma Kästli AG als Gruppenführer im Tiefbau/Erdbau und ist für Rückbau und Erdbau zuständig
- Absolvent Ausbildung Gruppenführer CAMPUS SURSEE

Weitere Infos
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